Kath. Gemeinde Beeskow/Storkow
Pfarrkuratie Heilig Geist

Zur Geschichte der Gemeinde und der Kirche Heilig Geist Beeskow

Mit der Reformation war der katholische Glaube auch in Beeskow erloschen. Als einzig verbliebene kleine katholische Insel blieb das Zisterzienserkloster Neuzelle erhalten. Die wenigen katholischen Bewohner des Landstriches mussten sich nach Neuzelle orientieren, um ihren katholischen Glauben ausüben zu können. 1815 wurde die Niederlausitz aufgrund des Wiener Kongresses und infolge der Schlesischen Kriege von Sachsen gelöst und wurde zu Preußen geschlagen. Der preußische Staat löste 1817 das Kloster Neuzelle auf, der Klosterbesitz wurde von ihm übernommen. Die verbliebenen Mönche übernahmen nun wie Weltpriester den seelsorglichen Dienst an den Gläubigen. Und mit dem Tod der letzten Mönche wurde Neuzelle zu einer Diasporapfarrei, zu der auch Beeskow gehörte mit dem ganzen Umland.

In Neuzelle wirkte von 1833 bis 1873 Pfarrer Florian Birnbach. 1842 legte er ein „Memorabilienbuch“ an. In diesem Buch schreibt Pfarrer Birnbach über Beeskow: „Die Missionsgemeinde Beeskow mit Einschluss des Militärs ist eine Versammlung von 20 – 30 Katholiken, deren Glaube tief im Schoß der Kirche Wurzel gefasst hat. Auf sie wirkt vorzüglich ein wahrhaft frommer Bürger, der sein Haus zu einem Gotteshaus macht. Es bewahrheitet sich das Wort: Ein eifriger Vorsteher macht eifrige, ein lauer eine laue Gemeinde!“

 Am 24. Juli 1855 erwirbt Pfarrer Birnbach ein kleines Haus für 510 Reichsthaler, das heute in der Rudolf-Breitscheid-Straße, Ecke Gartenstraße zu verorten ist. Das Haus schenkt er nicht der kleinen Gemeinde, sondern dem Fürstbischöflichen Stuhl in Breslau, was sich 70 Jahre später als Vorteil gegenüber der Stadt erweisen sollte. Im Haus wird ein Gottesdienstraum eingerichtet und der Wohnraum an ein katholisches Ehepaar vermietet. In der Regel feiert Pfarrer Birnbach zweimal im Jahr den Gottesdienst in der Missionsgemeinde: Ostern und an Michaelis (29. September).

 Nach dem Tod von Pfarrer Birnbach am 27.01.1873 wird Pfarrer Bruno Teichmann sein Nachfolger, und dessen Nachfolger wird 1883 Pfarrer Jende, der alle 14 Tage nach Beeskow zum Gottesdienst fährt und hier zunächst einen Gottesdienst für das Militär und dann für die Gemeinde feiert. In der Folgezeit wird Beeskow weiterhin von Neuzelle aus seelsorglich versorgt.

 Eine Veränderung beginnt vor Ende des 1. Weltkrieges. 1918 kauft ein Major Engler aus Berlin das Gut Bornow bei Beeskow. Wegen einer Kriegsverwundung scheidet er vorzeitig aus dem Militärdienst aus und versucht eine neue Existenz für die Familie in der Landwirtschaft. Er selbst ist evangelisch, seine Frau aber ist katholisch. Da sie selbst krank und ihr der Weg zum nächsten Gottesdienst zu weit ist, möchte sie am Ort einen Gottesdienstraum schaffen und möglichst einen katholischen Geistlichen anstellen. Mit ihrer Idee wendet sie sich bittend an den Neuzeller Erzpriester Prießnitz. Zwischen ihr und ihm ergibt sich ein eifriger Briefverkehr, in dem Frau Engler immer zielstrebiger ihren Plan verfolgt. Pfarrer Prießnitz gibt das Anliegen wohlwollend an die Fürstbischöfliche Kurie in Breslau weiter. Diese steht dem Anliegen aufgeschlossen gegenüber und stellt eine Genehmigung in Aussicht, wenn einige Bedingungen erfüllt sind. Dazu gehören u.a. ein Kapellenbau und eine Wohnung für den Geistlichen. Am 24. Juli 1919 wird in Breslau die Ernennungsurkunde für den ersten eigenen Seelsorger ausgestellt. Kaplan Josef Wache (1890 – 1955), 1917 zum Priester geweiht und Kaplan in Trebnitz, wird zum Lokalkaplan in Bornow ernannt. Er trifft am 8. August 1919 auf dem Gut Bornow ein und feiert am 10. August Sonntagfrüh seinen ersten Gottesdienst in Beeskow. Am selben Tag wird die Kapelle in Bornow feierlich geweiht.

 Die Freude über die neue Kapelle in Bornow ist allerdings nur von kurzer Dauer. Wegen des schlechten Gesundheitszustandes von Major Engler und einem ausbleibenden Ertrag des Gutes zur Lebensversicherung der Familie muss Familie Engler 1923 das durch die Inflation verschuldete Gut Bornow wieder verkaufen und zieht nach Berlin zurück. Die katholische Gemeinde und der Geistliche verlieren das Heimatrecht auf Gut Bornow. Kaplan Wache siedelt Ende April 1923 nach Beeskow über und wohnt bei einer katholischen Familie im Emilienhof in der Fürstenwalder Straße 3.

 In einem Schreiben vom 6. März 1924 an Fürstbischof Kardinal Dr. Bertram bittet Kaplan Wache den Oberhirten um die Errichtung einer rechtlich selbstständigen Kapellengemeinde in Beeskow und damit um Loslösung von der Muttergemeinde Neuzelle. In einem Antwortschreiben an den Neuzeller Pfarrer stellt Bertram in Aussicht, dem Wunsch zu entsprechen. Kaplan Wache solle zuerst eine genaue Umgrenzung der Kapellengemeinde vorschlagen und mitteilen, was an kirchlichem Vermögen in Beeskow vorhanden ist. In der Kreisstadt Beeskow wohnen zu diesem Zeitpunkt rund 100 Katholiken, außerdem 62 katholische Militärpersonen. 180 Katholiken verteilen sich auf über 50 Dörfer. Beeskow selbst zählt nach Angabe von Kaplan Wache rund 5000 Einwohner.

 Daneben tut sich ein neues großes Problem auf. Das Kapellenhaus in der Breitscheidstraße, Ecke Gartenstraße ist in einem erbarmungswürdigen baulichen Zustand. Das Kapellengrundstück ist an einer parkähnlichen Grünfläche gelegen, die im Besitz der Stadt Beeskow ist. Um den Stadtpark erweitern zu können, möchte die Stadt das Kapellenhaus und drei benachbarte Grundstücke abtragen. Eine Entschädigung ist zunächst nicht vorgesehen. Lediglich die Kosten für den Abriss ist die Stadt bereit zu tragen. Da Grundstück (255 qm) und Kapellenhaus Eigentum der Erzdiözese Breslau sind, muss die Stadt mit dem Fürstbischöflichen Stuhl Verhandlungen aufnehmen. Laut Beschluss der Beeskower Stadtverordnetenversammlung vom 9. März 1925, wurde das Kapellengrundstück mit den drei anderen Grundstücken zum nicht bebauungsfähiges Gelände erklärt, was eine erhebliche Wertminderung zur Folge hat. Es kommt zu einem umfangreichen Schriftverkehr zwischen Kardinal Bertram, Kaplan Wache und dem Magistrat von Beeskow.

 Zeitgleich sucht Kaplan Wache, eine Lösung für das völlig marode Kapellenhaus zu finden und bittet bei vielen Gelegenheiten um Spenden. Kurzzeitig wurde daran gedacht, die leerstehende, allerdings auch baufällige Synagoge in der Brandstraße zu kaufen. Auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück für den Neubau einer Kirche stößt er schließlich auf das Grundstück, das der Stadt Beeskow gehört und auf dem heute die Kirche mit dem Pfarrhaus steht. Durch den persönlichen Einsatz von Kardinal Bertram ist die Stadt Beeskow schließlich bereit, eine etwa 2 Morgen (5.000 qm) große Fläche des städtischen Baugrundes an die katholische Gemeinde in Beeskow abzugeben unter der Bedingung, dafür das bisherige Kapellengrundstück am Rande des Irrgartens eintauschen zu können. Am 29. März 1927 kommt es zum Vertragsabschluss und zum Grundstücktausch.

 Zwei Monate zuvor am 7. Januar 1927 hatte Kardinal Bertram durch Urkunde die Pfarrkuratie Beeskow errichtet und somit eine rechtlich selbstständige Gemeinde geschaffen, die nicht mehr zur Gemeinde Neuzelle gehörte. Die Errichtungsurkunde mit der Umschreibung der zur Kuratie gehörigen Orte wird im November 1927 von Seiten der beiden Regierungsbezirke Potsdam und Frankfurt (Oder) bestätigt.

 Kaplan Wache unternimmt nun alle Anstrengungen, auf dem erworbenen Grundstück eine neue Kirche zu errichten. Entwürfe und Pläne müssen sich in ein enges finanzielles Korsett zwingen lassen. Die Gemeinde hat nur wenige Mittel zur Verfügung und kann unmöglich den Neubau aus eigener Kraft realisieren. Vermögen ist praktisch nicht vorhanden. Das ist auch dem Kardinal in Breslau bewusst. Daher beauftragt er das Diözesankomitee des Bonifatiusvereins des Bistums Breslau, sich des Bauanliegens in Beeskow anzunehmen und es als Vorzugsobjekt zu behandeln. Vorsitzender des Komitees ist Prälat Dr. Ferdinand Piontek, der spätere Kapitelsvikar in Görlitz.

 In einem Kostendeckungsplan, aufgestellt von der Fürstbischöflichen Kurie am 2. Mai 1927, werden für den Bau der Kirche und des dazugehörigen Pfarrhauses insgesamt 51.000 Mark veranschlagt. Die Bauausführung durch das Baugeschäft Ambrosius Stritzke aus Fürstenwalde soll nach Plänen des Architekten Ernst Kopp aus Bad Saarow erfolgen.

 Trotz weiterer finanzieller Unsicherheiten beginnen in der Woche nach dem Osterfest am 10. April 1928 die Bodenarbeiten für den Kirchbau. Anlass genug für die Gemeinde und Kaplan Wache zu großer Freude, die allerdings getrübt wird durch die Nachricht, dass Kaplan Wache nach fast neun Jahren schwierigen Dienstes in extremer Diasporasituation in seine oberschlesische Heimat zurückkehren muss. Er wird Kaplan in Gleiwitz in der Pfarrei Allerheiligen. Sein Nachfolger wird Kaplan Viktor Nestor (1884 – 1943), der bisher Kaplan in Ratibor in der Pfarrei St. Nikolaus war. Trotz des Stellenwechsels geht der Kirchbau sehr zügig voran. Am 29. Mai 1928, Pfingstdienstag, erfolgt durch den zuständigen Erzpriester Haase in Driesen (Neumark) die Grundsteinlegung. Auf Wunsch von Kaplan Nestor stimmt Kardinal Bertram der Bitte zu, die neue Kirche später zu Ehren des Heiligen Geistes zu weihen.

 In der Urkunde zur Grundsteinlegung steht Folgendes zu lesen: „Gott dem Allgütigen und Allerhöchsten! Im Jahr des Heils Eintausendneunhundertachtundzwanzig, am neunundzwanzigsten Mai und zwar am Pfingstdienstag, wurde der Grundstein zu dieser Heiligen-Geist-Kapelle in Beeskow gelegt. Damals saß auf dem Stuhle Petri Papst Pius XI; die Diözese Breslau regierte der Fürstbischof Dr. Adolf Cardinal Bertram; Erzpriester des Dekanates Neuzelle war Geistlicher Rat Maximilian Haase aus Driesen; Kuratus von Beeskow aber war Viktor Nestor. Gleichzeitig war Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg-Beneckendorf Reichspräsident der Republik; Dr. Momm Regierungspräsident von Potsdam; Dr. von Winterfeld Landesdirektor der Provinz Brandenburg; Landrat des Kreises Beeskow-Storkow Dr. Ernst Wiskott; Bürgermeister der Stadt Beeskow Wilhelm Berthold. Wir bitten Gott den Allmächtigen, dass er uns gnädig vollenden lasse, was wir zu seiner Ehre begonnen haben. Beeskow, den 29. Mai 1928“.

 Die Weihe der neuen Kirche erfolgte am 7. Oktober 1928, die von Prälat Ulitzka aus Ratibor vorgenommen wurde. Der Festzug, der sich am „Märkischen Hof“ (Kino) versammelt hatte, setzte sich um 10.00 Uhr in Richtung neue Kirche in Bewegung.

 Wird fortgesetzt!

 Autoren: + Pfarrer G. Leder, Pfarrer i.R. W. Pohl, Pfarrer H. Geisler